Dominic Multerer

Proof of Market: Wie beweist man in zwölf Wochen, dass ein Markt wirklich kauft?

Fertiges Produkt, kein Vertrieb, ein Investor mit klarer Erwartung. Wie eine Investmentplattform für Wasserstoff und Batteriespeicher in zwölf Wochen bewiesen hat, dass Kunden über skalierbare Kanäle kommen. Plus die Schwelle, ab der ein Markt für mich bewiesen ist.

Dominic Multerer
15. Okt. 2026 · 4 Min. Lesezeit

Freunde und Familie sind kein Markt

Die Ausgangslage kennt jeder, der in Startups oder Ventures arbeitet. Das Produkt ist fertig. Die ersten Investments sind da. Nur kamen sie aus Freunden, Familie und dem Netzwerk der Gründer. Das beweist Vertrauen. Einen Markt beweist es nicht.

Genau an diesem Punkt stand eine Investmentplattform, die Privatanlegern Zugang zu Wasserstoff und Batteriespeicherprojekten gibt. Assetklassen, die sonst institutionellen Infrastrukturfonds vorbehalten sind. Die Anleger werden über Zweckgesellschaften gebündelt und investieren gemeinsam in einzelne Projekte. Das Geschäftsmodell: eine Vergütung auf das verwaltete Kapital, die Assets under Management.

Das war 2022. Der Rückenwind war da: Die Energiekrise hatte Speicher und Wasserstoff ganz oben auf die Agenda gesetzt, und die EU wollte mit REPowerEU bis 2030 zehn Millionen Tonnen grünen Wasserstoff im eigenen Markt erzeugen. Solche Projekte brauchen enorme Summen. Was fehlte, war Vertrieb. Es gab keinen. Und der Investor wollte eine einzige Frage beantwortet haben: Lassen sich Kunden über skalierbare Kanäle gewinnen, oder nicht?

Ein Markt ist erst bewiesen, wenn Fremde kaufen. Über einen Kanal, den man mit Geld größer machen kann.

Zwei Kanäle, ein Ziel: planbare Nachfrage

Wir haben bewusst nicht auf Empfehlungen, Events oder Kooperationen gesetzt. Die sind wertvoll, aber sie skalieren nicht linear mit Budget. Für einen Proof of Market zählt nur, was man hochdrehen kann.

  • Eigenes Performance Marketing. Kampagnen, Landingpages, Funnel. Voll in eigener Hand, voll messbar, mit jedem Tag besser.
  • Eingekaufte Investmentleads. Über spezialisierte Anbieter, die Interessenten für Kapitalanlagen vermitteln. Teurer pro Kontakt, aber sofort verfügbar und ein ehrlicher Vergleichsmaßstab für die eigenen Kanäle.

Beide Kanäle liefen parallel und gegeneinander. So war nach wenigen Wochen klar, wo ein investierter Euro mehr verwaltetes Kapital bringt.

Täglich steuern, vom Klick bis zum investierten Kapital

Der Fehler vieler Tests: Marketing misst Klicks, Vertrieb misst Abschlüsse, und dazwischen liegt ein schwarzes Loch. Wir haben die gesamte Kette jeden Tag angeschaut.

StufeWas wir täglich gemessen haben
MarketingReichweite, Klickrate, Kosten pro Lead, je Kampagne und je Kanal
QualifizierungWelcher Anteil der Leads ist erreichbar, passend und investitionsbereit?
VertriebErstgespräche, Beratungsgespräche, Zeichnungen
ErgebnisNeu investiertes Kapital pro Woche, also das, wovon das Geschäftsmodell lebt

Die Leitkennzahl war nicht der Lead und nicht der Abschluss. Es war das wöchentlich generierte verwaltete Kapital im Verhältnis zu den Akquisekosten. Wenn das Geschäftsmodell auf AuM basiert, muss die Steuerung auf AuM basieren. Alles andere ist Beschäftigungstherapie.

Das Ergebnis nach zwölf Wochen: Der Wochenumsatz hat sich vervielfacht, die Leadkosten haben sich halbiert, das Commercial Team ist auf das Zehnfache gewachsen, und vom ersten Kontakt bis zum ersten Deal vergingen weniger als fünf Tage. Proof of Market in unter drei Monaten. Die Details stehen im Case.

Woran Proof of Market Tests scheitern

Selten am Markt. Fast immer an drei Dingen.

  • Messung. Wer den Funnel nicht bis zum Geld durchmisst, optimiert auf Klicks und wundert sich über leere Konten.
  • Execution. Ein Test mit halbherzigen Kampagnen, langsamen Rückrufen und fehlendem Skript testet nicht den Markt. Er testet die eigene Trägheit.
  • Verantwortung. Wenn Strategie, Kampagnen, Content und Vertrieb in fünf Händen liegen, gibt es fünf Erklärungen und kein Ergebnis. Es braucht einen Treiber, der alles verantwortet, vom Plan bis zum Anzeigentext.

Die unbequeme Wahrheit: Pragmatismus schlägt Perfektion

Ein Proof of Market ist kein Laborversuch. Man baut gleichzeitig Marketing und Vertrieb auf, stellt Leute ein, schreibt Skripte und skaliert eine Organisation, während der Test läuft. Wer hier auf den perfekten Plan wartet, hat nach zwölf Wochen ein schönes Konzept und keinen Beweis.

Was funktioniert: schnell entscheiden, täglich justieren, jeden Tag etwas lernen. Eine Kampagne, die am Dienstag nicht trägt, ist am Mittwoch aus. Ein Gesprächsleitfaden, der nicht konvertiert, wird am selben Abend umgeschrieben. Tempo ist hier keine Hektik. Tempo ist die Methode.

Ab wann ist ein Markt bewiesen? Meine Schwelle

Ich arbeite mit einer konservativen Regel.

Die RegelEin Markt ist bewiesen, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind
  1. Vier Wochen stabil: Mindestens vier Wochen in Folge kommen zahlende Kunden über einen bezahlten, skalierbaren Kanal. Nicht aus dem Netzwerk, nicht über einen Einmaleffekt.
  2. Zwölf Monate Payback: Die Akquisekosten pro Kunde verdienen sich innerhalb von zwölf Monaten zurück. Bei einem AuM Modell heißt das: Die laufende Vergütung auf das investierte Kapital deckt die Kosten für dessen Gewinnung im ersten Jahr.
  3. 70 Prozent bei doppeltem Budget: Verdoppelt man das Budget, bleiben mindestens 70 Prozent der Effizienz erhalten. Bricht die Wirtschaftlichkeit beim ersten Hochskalieren ein, war es Glück, kein Markt.

Das ist bewusst streng. Wer diese drei Hürden nimmt, kann einem Investor mit gutem Gewissen sagen: Hier ist kein Strohfeuer, hier ist eine Maschine, die man füttern kann.

Was Sie in den ersten 30 Tagen tun sollten

  1. Leitkennzahl festlegenDie eine Kennzahl festlegen, von der das Geschäftsmodell lebt, und den ganzen Funnel darauf ausrichten.
  2. Zwei Kanäle wählenZwei skalierbare Kanäle wählen und parallel testen, statt fünf halbherzig.
  3. Reporting aufsetzenTägliches Reporting vom Klick bis zum Umsatz aufsetzen, bevor der erste Euro in Werbung fließt.
  4. Treiber benennenEinen Verantwortlichen benennen, der von der Strategie bis zum Content entscheidet.
  5. Schwelle definierenDie Schwelle für "bewiesen" vorher definieren, nicht hinterher schönrechnen.

Proof of Market ist kein Marketingprojekt. Es ist die erste echte Bewährungsprobe eines Geschäftsmodells. Wenn Sie genau an diesem Punkt stehen, ist das ein typisches Interim Mandat: zeitlich begrenzt, klar messbar, mit Übergabe an ein Team, das danach allein weiterläuft.

FAQ

Was ist ein Proof of Market?

Der Nachweis, dass fremde Kunden ein Produkt über einen skalierbaren Kanal kaufen und die Wirtschaftlichkeit hält, wenn das Budget steigt. Erste Umsätze aus dem eigenen Netzwerk zählen nicht.

Wie lange dauert ein Proof of Market?

Mit fertigem Produkt, klarer Messung und täglicher Steuerung sind zwölf Wochen realistisch. Ohne Messung und ohne verantwortlichen Treiber dauert es oft Monate, ohne belastbares Ergebnis.

Welche Kanäle eignen sich?

Nur Kanäle, die linear mit Budget skalieren, etwa Performance Marketing oder eingekaufte qualifizierte Leads. Empfehlungen und Events sind wertvoll, beweisen aber keine Skalierbarkeit.

Welche Kennzahl ist die wichtigste?

Die, von der das Geschäftsmodell lebt. Bei einer Investmentplattform ist das neu investiertes Kapital pro Woche im Verhältnis zu den Akquisekosten, nicht die Zahl der Leads.